Bessere Formulierungen für Stellenanzeigen – so geht’s

Sprache, die einstellt

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Alice Fölker

7 min Lesezeit
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6 min Lesezeit | 15. Juli 2025

Letztes Mal ging es bei uns um die perfekte Stellenanzeige. Wir haben dabei besonders den Aufbau thematisiert. Zwar haben wir auch einige Tipps für die richtige Wortwahl gegeben, aber das Thema Formulierungen haben wir nur gestreift. Das ändern wir heute!

Starten wir mit dem Wichtigsten. Wer eine Stellenanzeige schreibt, muss sich an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) halten. Dieses verbietet die Diskriminierung wegen Geschlecht, Alter, Religion, ethnischer Herkunft, Behinderung und sexueller Identität. Auf der sicheren Seite ist man also, wenn man sich möglichst inklusiv ausdrückt. 
Das beginnt schon in dem Titel der Stellenanzeige. Versuche, geschlechtsneutrale Jobtitel zu verwenden. Statt ein männliches oder weibliches gelesenes Substantiv wie “Abteilungsleiter” zu schreiben, suche nach einer genderneutralen “Abteilungsleitung”. Sichere dich zusätzlich mit der “m/w/d” Angabe ab, so ist klar zu sehen, dass jedes Geschlecht willkommen ist. Die richtige Bezeichnung wäre hier also: Abteilungsleitung (m/w/d). 

Man sieht es häufiger, sollte dies allerdings unbedingt vermeiden: die Forderung nach Muttersprachlern. Bestimmte Jobs fordern zwar bestimmte Sprachkenntnisse, die Forderung nach einem Muttersprachler könnte jedoch diskriminierend wirken. Auch Nicht-Muttersprachler können die deutsche Sprache beherrschen. Formuliere die Stellenanzeige objektiver. Zum Beispiel kannst du sagen “Deutsch auf Niveau X” oder “perfekte Deutschkenntnisse”. 
Versuche außerdem auf Formulierungen zu verzichten, die die Körpergröße oder die körperliche Belastbarkeit und das Alter vorgeben.
Es gibt zwar Ausnahmen, die sogenannten erlaubten Ungleichbehandlungen, diese treffen jedoch nur in bestimmten Fällen zu und sollten individuell geprüft werden. 
KI kann dir bei der Formulierung Diskrimminations freier Texte behilflich sein.
Bitte beachte, dass wir uns bei der Recherche zwar Mühe geben, die richtigen Informationen zu bieten, wir jedoch keine Rechtsberatung sind. Informiere dich über die Gesetzeslage ggf. selbst.

Stellenausschreibungen sollen dem Kandidaten vor allem Informationen über den Job und das Unternehmen liefern. Und das alles in einer kurzen Anzeige. Was kann der Bewerber für Aufgaben erwarten? Was wird vom Bewerber erwartet? Deshalb ist es wichtig, sich auf wenig Text mit vielen Informationen zu begrenzen. Dabei bevorzugen laut einer Umfrage von meinestadt.de circa 54 % der Menschen Stichpunkte und 46 % einen Fließtext. Aber egal für welche Textform du dich entscheidest, die Informationen müssen möglichst kompakt, aber präzise sein. Es bietet sich also an, Begriffe zu nutzen, die universal verstanden werden und klar zeigen, was du erwartest. Vermeide also Rollenbilder wie “Held”, “Rockstar” oder “Ninja”, denn woher soll der Bewerber wissen, was damit gemeint ist? Setzte stattdessen, wenn benötigt, passende Adjektive vor den Stellentitel wie “erfahren/r”. 
Formuliere die Konkretisierungen außerdem möglichst positiv. Wenn du beispielsweise kommunizieren willst, dass eine Person gebraucht wird, die selbstsicher mit ihren Entscheidungen umgeht, sollte auf Aussagen wie “Sie sind nicht zögerlich” verzichtet werden. Wie im letzten Abschnitt besprochen, ist auch dieser Ausdruck informationsarm und lässt viel Raum zur Interpretation. Überlege stattdessen, in welcher Hinsicht der Bewerbende nicht zögerlich sein soll. Hier in diesem Beispiel hinsichtlich seiner Entscheidungsfreude zum Beispiel so: Sie scheuen sich nicht, Entscheidungen zu treffen oder Sie bringen Entscheidungsfreude mit. Nutze bei dem konkreten Wording gerne auch KI, wenn es irgendwann mal stockt. 

Eine gute Stellenanzeige lebt von klarer, inklusiver und konkreter Sprache. Wer unnötige Floskeln streicht, diskriminierende Formulierungen vermeidet und stattdessen präzise beschreibt, was er oder sie sucht, macht es Bewerbenden leichter, sich angesprochen zu fühlen und erhöht die Chance, passende Talente zu gewinnen.
Wenn du unsicher bist, ob deine Anzeige diskriminierungsfrei ist oder ob sie den richtigen Ton trifft, lohnt sich ein zweiter Blick durch Kolleg:innen, externe Profis oder ein unterstützendes KI-Tool. So stellst du sicher, dass deine Botschaft ankommt und nicht versehentlich abschreckt.

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